Zahlen und Fakten rund ums Bürgerschaftliche Engagement

Allen Unkenrufen eines wachsenden Egoismus zum Trotz: Knapp 50 % der Menschen in Bayern über 14 Jahren engagieren sich für ihr Gemeinwesen, Tendenz bisher weiterhin steigend.

Zahlen und Fakten zum freiwilligen Engagement in Deutschland werden seit 2004 mit dem Freiwilligensurvey erhoben, finanziert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). In telefonischen Interviews werden freiwillige Tätigkeiten und die Bereitschaft zum Engagement erfragt und dann nach Bevölkerungsgruppen und Landesteilen zusammengestellt.

Nach den ersten drei Befragungen in den Jahren 1999, 2004 und 2009 liegt die wissenschaftliche Leitung seit 2011 beim Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA). 2014 wurde der Survey von infas – Institut für angewandte Sozialwissenschaft durchgeführt. Mit einem erweiterten Fragenkatalog sollten sich wandelnde und neue Formen des freiwilligen Engagements sowie Unterschiede zwischen engagierten und nicht engagierten Personen erfasst werden.

Die Daten aller Erhebungsjahre sowie ausführliches Dokumentationsmaterial stehen für die wissenschaftliche Forschung über das Forschungsdatenzentrum des DZA zur Verfügung.

Downloads der Kurzfassung des 4. Freiwilligensurveys sowie des Gesamtberichts sind auf den Seiten des BMFSFJ zu finden. Einen Kommentar zu Grenzen und Möglichkeiten der Studie veröffentlichten Dr. Thomas Röbke und Dr. Lilian Schwalb im Newsletter 14/2016 des BBE.

Untenstehende Ergebnisse stammen aus einer Sonderauswertung für Bayern aus dem Freiwilligensurvey 2009, die das Bayerische Staatsministerium für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen in Auftrag gab. Ergebnisse der Auswertung des Freiwilligensurveys 2009 für Bayern können Sie hier als pdf-Datei herunterladen (2,7 MB). Aktuelle Zahlen für Bayern finden sich in dem Gesamtbericht zu 2014.
 

Freiwillig Engagierte und gemeinschaftlich Aktive in Bayern und Deutschland

Der Freiwilligensurvey 2009 zeigt, dass die Engagementquote in Bayern in den vergangenen zehn Jahren mehr oder weniger auf einem gleich hohen Niveau geblieben ist. Angesichts des durch engagementwidrige Umstände, wie zum Beispiel die Wirtschaftskrise, erwarteten Rückgangs der Engagementzahlen ist es positiv zu werten, dass Bayern für 2009 eine Engagementquote von 36,27 % (verglichen mit 36,99 % in 2004) aufweist. Damit entspricht die Engagementquote in Bayern genau dem bundesweiten Durchschnitt.

Erfreulich ist der klare Rückgang der Anzahl von Personen, die weder gemeinschaftlich aktiv noch freiwillig engagiert sind. Hier zeigt sich im vergangenen Jahrzehnt ein klarer Trend: 1999 waren es noch 31 %, die weder gemeinschaftlich aktiv noch freiwillig aktiv waren, 2004 waren es 30 % und 2009 sank diese Zahl nochmals um zwei Prozentpunkte auf 28 %. Dieser Rückgang verlief zugunsten einer zunehmenden Anzahl von Personen, die gemeinschaftlich aktiv sind. Das ist auch eine gute Nachricht, weil Menschen, die gemeinschaftlich aktiv sind, durch die Gemeinschaft häufig einen Anstoß erfahren, sich auch freiwillig zu engagieren. Gestützt wird der Trend zu mehr gemeinschaftlich Aktiven durch eine ähnliche Entwicklung auf Bundesebene.

Grafik1: Freiwillig Engagierte und gemeinschaftlich Aktive in Bayern und Deutschland

Engagement und Bereitschaft zum Engagement in Bayern und Deutschland

Die Antworten auf die Frage nach der Bereitschaft, sich bestimmt oder eventuell zu engagieren, zeigen für Bayern einen herausragenden Trend. Die Zahl der Engagement-Interessierten hat stark zugenommen: Konnten sich 1999 noch 23 % ein Engagement eventuell oder bestimmt vorstellen, sind es 2009 bereits 39 %. Das ungenutzte Potenzial ist also groß und umso wichtiger ist es, diesen Menschen den Zugang zu „ihrem“ Engagement zu erleichtern. Seit Anfang 2010 treiben in Bayern zum Beispiel auch die neuen Koordinierungszentren Bürgerschaftliches Engagement in den Landkreisen die Vermittlung von Engagementangeboten an Interessierte voran.

Auf Bundesebene gestaltet sich die Entwicklung der Engagementbereitschaft ähnlich, fällt mit Werten von 26 % (1999) über 32 % (2004) auf 37 % (2009) allerdings weniger deutlich aus als in Bayern.

Grafik2: Engagement und Bereitschaft zum Engagement in Bayern und Deutschland

Engagement und Bereitschaft zum Engagement nach Alter in Bayern

Im Alter zwischen 35 und 54 Jahren finden wir die höchste Engagementquote vor. Mit 44 % sind die Engagierten zwischen 35 und 44 Jahren Spitzenreiter, dicht gefolgt von den 45- bis 54-Jährigen (42 %). Trotz der bereits hohen Zahl an freiwillig Engagierten in diesen beiden Alterskategorien gibt es noch ein hohes Potenzial, das bestimmt oder eventuell bereit wäre sich zu engagieren. Groß ist das Potenzial aber auch bei den jungen Menschen in Schule, Ausbildung und Studium, in der beruflichen Startphase bzw. in der Familiengründung. Hier gilt es Angebote zu machen, die genau auf die Lebenssituationen zugeschnitten sind, um dieses Potenzial zu aktivieren. Auch wenn bei den 65-Jährigen die Zahl der Engagierten und der potenziell Engagierten vergleichweise niedriger ausfällt, darf nicht übersehen werden, dass gerade hier die Zahl der potenziell Engagierten seit 1999 (6 %) stark angestiegen ist (2009: 23 %).

Grafik3: Engagement und Bereitschaft zum Engagement nach Alter in Bayern

Engagement und Bereitschaft zum Engagement nach Geschlecht in Bayern

Während die Anzahl der engagierten Männer seit 2004 gleich geblieben ist, zeigt sich bei den Frauen nach einem Anstieg um drei Prozentpunkte zwischen 1999 und 2004 ein leichter Rückgang. Grundsätzlich ist aber positiv zu vermerken, dass beide Geschlechter eine seit 1999 stark ansteigende Anzahl von Menschen aufweisen, die bestimmt oder eventuell zum freiwilligen Engagement bereit sind. Im Vergleich ist der Zuwachs der Engagementbereiten bei den Männern stärker ausgeprägt. Entsprechend stark ist die Anzahl der Männer und Frauen gesunken, die weder engagiert noch zum Engagement bereit sind (21 % bzw. 28 %). Angesichts dieser hohen Engagementbereitschaft sind die Kreativität und die Innovationsfreude von zivilgesellschaftlichen Akteuren gefordert, um attraktive Angebote zu entwickeln, die auf den Lebensabschnitt, aber auch auf den biografischen Hintergrund von Männern und Frauen zugeschnitten sind.

Grafik4: Engagement und Bereitschaft zum Engagement nach Geschlecht in Bayern

Freiwilliges Engagement in allen Einzelbereichen in Bayern

Während die Anzahl der engagierten Männer seit 2004 gleich geblieben ist, zeigt sich bei den Frauen nach einem Anstieg um drei Prozentpunkte zwischen 1999 und 2004 ein leichter Rückgang. Grundsätzlich ist aber positiv zu vermerken, dass beide Geschlechter eine seit 1999 stark ansteigende Anzahl von Menschen aufweisen, die bestimmt oder eventuell zum freiwilligen Engagement bereit sind. Im Vergleich ist der Zuwachs der Engagementbereiten bei den Männern stärker ausgeprägt. Entsprechend stark ist die Anzahl der Männer und Frauen gesunken, die weder engagiert noch zum Engagement bereit sind (21 % bzw. 28 %). Angesichts dieser hohen Engagementbereitschaft sind die Kreativität und die Innovationsfreude von zivilgesellschaftlichen Akteuren gefordert, um attraktive Angebote zu entwickeln, die auf den Lebensabschnitt, aber auch auf den biografischen Hintergrund von Männern und Frauen zugeschnitten sind.

Grafik5: Freiwilliges Engagement in allen Einzelbereichen in Bayern

Organisationsformen aller freiwilliger Tätigkeiten in Bayern

Der Verein erweist sich auch im Zeitverlauf als besonders beliebte Organisationsstruktur: Er ist nicht nur seit einem Jahrzehnt Spitzenreiter als Organisationsform, sondern scheint langsam aber kontinuierlich weiter zu wachsen. Mittlerweile findet fast die Hälfte (46 %) aller freiwilligen Tätigkeiten im Verein statt. Mit großem Abstand folgen kirchliche Gruppen (2009: 14 %) und kommunale Einrichtungen (2009: 11 %), wobei Letztere seit 1999 eher gewachsen bzw. stabil geblieben sind. Zuwachs erfahren selbstorganisierte Gruppen sowie Initiativen und Projekte, d.h. weniger in Strukturen eingebettete und vielleicht auch individuellere Gruppen und Netzwerke. Vielleicht kann dies als ein Hinweis gelten, dass die Zivilgesellschaft sich selbst formiert und dabei auf die eigene Strukturierungsfähigkeit setzt – oder zuerst den Schwerpunkt auf den Inhalt und nicht auf die Struktur legt. Diese Entwicklung einer Zivilgesellschaft von unten liegt im Interesse Bayerns, wo die strukturelle Förderung, die Raum und Unterstützung für solche „Graswurzelbewegungen“ bietet, ein wichtiges Ziel der bayerischen Engagementpolitik darstellt.

Grafik6: Organisationsformen aller freiwilliger Tätigkeiten in Bayern

Zeitliche Verpflichtung (Zeitaufwand) aller freiwilligen Tätigkeiten in Bayern 2009

Die Häufigkeit, mit der sich die Menschen in Bayern engagieren, weist eine große Vielfalt auf. Über ein Fünftel (21 %) engagieren sich mehrmals in der Woche, wenn nicht sogar täglich. Einmal in der Woche bzw. mehrmals im Monat sind auch etwa je ein Fünftel der freiwillig Tätigen engagiert: 19 % bzw. 23 %. Zusammengenommen sind es also 63 %, die mehrmals im Monat oder häufiger engagiert sind: ein beachtliches Ergebnis!

Zu denen, die seltener engagiert sind, gehört auch die Gruppe jener Menschen, die sich für eine kurze Zeit intensiv in Projekten engagieren. Aufgrund der Unsicherheit in der Lebensplanung und der im Beruf erforderlichen Mobilität ist das eine Engagementform, für die sich eine zunehmende Anzahl von Menschen entscheidet. An die Vermittlung von Engagement stellt das besondere Anforderungen, da der Aufwand steigt – „Engagementanbieter“ finden auf diese Weise aber für spezielle Projekte höchst engagierte Unterstützerinnen und Unterstützer. Zudem entspricht diese Art des Engagements auch dem Zuwachs bei selbstorganisierten Gruppen bzw. Initiativen/Projekten.

Grafik7: Zeitliche Verpflichtung (Zeitaufwand) aller freiwilligen Tätigkeiten in Bayern 2009

Erwartungen an das freiwillige Engagement in Bayern 2009

Um Engagementangebote zu verbessern und für die Freiwilligen noch attraktiver zu gestalten, ist es wichtig, die Gründe zu kennen, aus denen sich Menschen engagieren. Schon lange sind die Zeiten vorbei, in denen Menschen sich in erster Linie aus einem moralischen Pflichtgefühl heraus engagierten. Auch der Freiwilligensurvey 2009 bestätigt wieder, dass der Hauptgrund für das Engagement ist, dass es Spaß macht: 2009 nennen 84 % aller Freiwilligen „Spaß“ als Motivation für ihr Engagement! Aber auch Sozialität und Solidarität spielen eine große Rolle: So kommen 75 % gerne mit sympathischen Menschen zusammen, 74 % helfen gerne anderen Menschen und 73 % tun gerne etwas für das Gemeinwohl.

Das Ende der Liste verweist auf die Bescheidenheit der Freiwilligen: So ist es ein vergleichsweise kleiner Prozentsatz von 32 %, der durch sein Engagement eigene Interessen vertreten sehen will, und auch nur 37 %, die Anerkennung für ihre Tätigkeit wollen. Im letzteren Fall darf man aber nicht vergessen, dass sich jeder über Anerkennung freut, auch wenn diese nicht die Motivation für ein Engagement ist: Eine entwickelte Anerkennungskultur gehört zum Engagement fest dazu! Aus diesem Grund ist die Förderung der Anerkennung und Wertschätzung des Engagements ein zentrales Ziel bayerischer Engagementpolitik.

Grafik8: Erwartungen an das freiwillige Engagement in Bayern 2009 (Mehrfachnennungen möglicvh)

(Mehrfachnennungen möglich)

 

Wünsche an die Organisationen in Bayern

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Wünsche der Freiwilligen seitens der Organisationen immer besser erfüllt werden. Die Veränderungen sind zwar nicht erheblich, aber ein entsprechender Trend wird durchaus sichtbar. So nimmt der Wunsch nach Finanzmitteln für bestimmte Projekte ab, aber auch bei der Bereitstellung von Räumlichkeiten/Ausstattungsmitteln, der Weiterbildung, der fachlichen Unterstützung und der Anerkennung sind Verbesserungen abzulesen. Insgesamt ist das Fazit jedoch, dass gerade bei den Finanzmitteln und den Räumlichkeiten/Ausstattungsmitteln immerhin noch bei 59 % bzw. 42 % der Engagierten Wünsche offen sind. Einzig die Kostenerstattung und die Vergütung sind Punkte, bei denen die Wünsche eher zunehmen, allerdings in beiden Fällen auch nur um einen Prozentpunkt. Es wird sich erst in Zukunft zeigen, ob es sich hierbei um einen tatsächlichen Bedarf handelt oder ob es nur die Debatte um die Vergütung des Ehrenamts ist, die hier Wirkung bei den Engagierten zeigt.

Grafik9: Wünsche an die Organisationen in Bayern

Wünsche an den Staat / die Öffentlichkeit in Bayern

Vergleicht man insbesondere die Zahlen von 1999 und 2009, so zeigt sich wenig Veränderung bei den Wünschen der Freiwilligen an den Staat und die Öffentlichkeit. Die bestehenden Schwankungen sind nicht leicht zu interpretieren. So wird die steuerliche Absetzbarkeit der Aufwandsentschädigungen als besser erfüllt wahrgenommen:

Wenn man hier eine Auswirkung der 2007 bundesweit erhöhten Übungsleiterpauschale unterstellen würde, erklärt sich der Einschnitt im Jahr 2004 nicht. Auch der verstärkte Wunsch nach Absicherung durch Haftpflicht- und Unfallversicherung ist schwer zu erklären, da Bayern seit 2007 einen subsidiären Versicherungsschutz anbietet. Vielleicht lässt sich hier das Fazit ziehen, dass die Information über die staatlichen Rahmenbedingungen der Engagementförderung noch verstärkt werden muss. Gerade auf lokaler Ebene gehört auch der Wunsch nach Information über Engagementmöglichkeiten dazu, der hier erneut das noch ungenutzte Potenzial der Engagementbereitschaft spiegelt.

Grafik10: Wünsche an den Staat / die Öffentlichkeit in Bayern

Freiwillige nach Alter und Geschlecht

Engagieren sich in den jeweiligen Altersstufen mehr Männer oder mehr Frauen?

In der Tat zeigen sich in einigen Altersstufen deutliche Unterschiede bei der Anzahl der jeweils engagierten Männer und Frauen. Die größten Unterschiede zeigen sich in den zwei Alterstufen „14 bis 24 Jahre“ und „über 65 Jahre“. In beiden Fällen sind wesentlich mehr Männer als Frauen engagiert: Bei den 14- bis 24-jährigen Frauen sind 28 % engagiert, während es bei den Männern in der gleichen Altersgruppe 48 % sind. Noch größer ist der Unterschied bei den über 65-Jährigen: In dieser Altergruppe weisen die Frauen eine Engagementquote von 20 % auf gegenüber einer Engagementquote von 41 % bei den Männern. In den anderen Altersstufen sind die Engagementquoten bei Frauen und Männern fast ausgeglichen. Eine Ausnahme bilden die 45- bis 54-Jährigen: In dieser Altersstufe sind mehr Frauen (45 %) als Männer (38 %) engagiert.

Grafik11: Freiwillige nach Alter und Geschlecht

Engagementbereiche nach Geschlecht

Sind Männer und Frauen in unterschiedlichen Engagementbereichen engagiert?

Die Zuordnung von Männern und Frauen zu Engagementbereichen zeigt in einigen Fällen deutliche Unterschiede. In Kirche/Religion, im sozialen Bereich, in Schule und Kindergarten sind wesentlich mehr Frauen als Männer engagiert, während die Männer in den Bereichen Sport und Bewegung, bei den Rettungsdiensten und in der Politik dominieren. In allen anderen Bereichen zeigen sich kaum Unterschiede.

Grafik12: Engagementbereiche nach Geschlecht

Erwerbstätigkeit, Kinderbetreuung und Engagement

Inwieweit beeinflussen sich Erwerbstätigkeit, Kinder im Haushalt und Engagement?

Es sind nicht unbedingt die Menschen, die augenscheinlich wenig zu tun haben, die sich engagieren, sondern eher diejenigen, die mit Familie und Beruf bereits vielfältige Verpflichtungen haben. So sind 2009 49 % der Frauen, die erwerbstätig und vorwiegend für die Kinderbetreuung verantwortlich sind, auch engagiert – im Vergleich zu einer durchschnittlichen Engagementquote bei Frauen von 33 % (2009). Eine extrem hohe Engagementquote finden wir sowohl bei Männern als auch bei Frauen vor, die jeweils erwerbstätig und teilweise für die Kinderbetreuung zuständig sind, d.h. sich die Betreuungszeit für die Kinder mit dem Partner teilen: In diesem Fall sind 59 % der Frauen und 50 % der Männer (mehr als diejenigen, die erwerbstätig und nicht vorwiegend für die Kinderbetreuung verantwortlich sind!) engagiert. Es handelt sich dabei also nicht nur um ein emanzipiertes, sondern durchaus auch um ein dem freiwilligen Engagement sehr zuträgliches Lebensmodell.

Grafik13: Erwerbstätigkeit, Kinderbetreuung und Engagement

Leitungs- und Vorstandsfunktion nach Geschlecht

Wie sind die leitenden Funktionen im freiwilligen Engagement auf Frauen und Männer verteilt?

Die Zahlen zeigen klar, dass 2009 mehr Männer (38 %) als Frauen (24 %) in Ehrenamt und Engagement eine Leitungs- bzw. Vorstandsfunktion einnehmen. Allerdings ist festzuhalten, dass sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern als weniger groß darstellt, als das zum Beispiel bei Führungspositionen in der Arbeitswelt der Fall ist. Vor diesem Hintergrund kann das Engagement dazu beitragen, Führungspositionen von Frauen in der Öffentlichkeit selbstverständlicher werden zu lassen und sichtbarer zu machen.

Grafi14: Leitungs- und Vorstandsfiunktion nach Geschlecht

Mitsprachemöglichkeit der Freiwilligen nach Geschlecht

Haben die freiwillig Engagierten Möglichkeiten zur Mitsprache?

Viele Engagierte fühlen sich dadurch motiviert, dass sie fest in ihr Engagementumfeld eingebunden sind, dort die Menschen und Strukturen kennen, aber auch die Möglichkeit haben, dieses Umfeld durch die Teilnahme an Sitzungen oder gemeinsamen Planungsrunden mitzugestalten. Dies scheint an vielen Einsatzorten der Freiwilligen der Fall zu sein – allerdings gibt es hier einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. So werden 68 % aller freiwillig engagierten Männer ausreichend Mitsprachemöglichkeiten eingeräumt, während es bei den Frauen nur 59 % sind. Wichtig scheint jedoch, die durchaus hohe Zahl der nach ihrer Aussage nur „zum Teil ausreichend einbezogenen“ Engagierten Ernst zu nehmen und an den jeweiligen Engagement-Orten zu prüfen, ob hier eine größere Mitsprachemöglichkeit erwünscht wäre bzw. eingeräumt werden sollte.

Grafik15: Mitsprachemöglichkeit der Freiwilligen nach Geschlecht

Politische Aktivitäten von Männern und Frauen

In Zeiten einer immer wieder attestierten Politikverdrossenheit sind die Aussagen interessant, mit denen die Befragten ihre politischen Aktivitäten beschreiben. Grundsätzlich sind Männer bei politischen Tätigkeiten wesentlich aktiver als Frauen, unabhängig davon, ob es um Unterschriften zu politischen Zielen geht, um die Teilnahme an einer Bürgerversammlung oder Demonstration oder die Übernahme eines Amtes. Frauen überflügeln Männer lediglich bei der Beteiligung an einer Bürgerinitiative. Insgesamt ist zu vermerken, dass gerade die lokalen Partizipationsprozesse, d.h. Bürgerversammlungen und Bürgerinitiativen großes Interesse finden.

Grafik16: Politische Aktivitäten von Männern und Frauen

Freiwillige Engagierte nach Bildungsabschluss

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schulabschluss und Engagement?

Bundesweit gibt es den Befund, dass Engagement eher ein Mittelstandsphänomen ist und insbesondere auch das Engagement von Menschen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen gefördert werden muss. Zum einen aus Gründen der Teilhabe und Integration, aber auch um gerade bei lokalen Partizipationsprozessen sicher zu stellen, dass die gesamte Bevölkerung vertreten ist und ihre Interessen einbringt, muss Engagement von allen Bevölkerungsschichten wahrgenommen werden.

In Bayern scheint es dieses Problem nicht zu geben: Die Auswertung zeigt, dass die Engagierten viel gleichmäßiger auf die einzelnen Bildungsabschlüsse verteilt sind als dies auf Bundesebene der Fall ist. So engagieren sich mehr Menschen ohne Bildungsabschluss/mit Hauptschulabschluss und auch mehr mit mittlerer Reife als im Bundesdurchschnitt. Das bedeutet, dass die Menschen in Bayern sich weitgehend unabhängigvon ihrer Schulbildung engagieren und zum Gemeinwesen beitragen und von den positiven Rückwirkungen des Engagements profitieren!

Grafik17: Freiwillige Engagierte nach Bildungsabschluss
 

Engagierte und Aktive mit Migrationshintergrund

Für ihre Teilhabe an der Gesellschaft ist das Engagement von Migrantinnen und Migranten ein wichtiger Indikator. Die Zahlen zeigen, dass sowohl auf Bundesebene als auch bayernweit weniger Menschen mit Migrationshintergrund engagiert sind: 26 % bzw. 24 %. Allerdings ist in Bayern der Anteil der gemeinschaftlich Aktiven höher als im Bundesdurchschnitt: 40 % bzw. 38 %. Es muss also auch in Zukunft ein verstärktes Augenmerk auf den Einbezug von Migrantinnen und Migranten gelegt werden – ein Schritt wäre zum Beispiel die Kooperation zwischen MigrantInnenvereinen und anderen Einrichtungen bzw. die verstärkte Förderung des Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund in Kindergärten und Schulen.

Grafik18: Engagierte und Aktive mit Migrationshintergrund

Einstufung der eigenen finanziellen Situation der freiwillig Engagierten

Muss man sich ein Engagement leisten können?

Es zeigt sich, dass je besser die eigene finanzielle Situation von freiwillig Engagierten eingeschätzt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie für die Gemeinschaft tätig werden bzw. gemeinschaftlich aktiv sind. Dabei überrascht positiv, dass immerhin noch 31 % derer, die von sich sagen, unter eher schlechten oder gar sehr schlechten finanziellen Bedingungen zu leben, ein Engagement ausüben und 29 % von ihnen gemeinschaftlich aktiv sind. Das verweist für Bayern darauf, dass auch Menschen, die in einer finanziell nachteiligen Situation leben, sich durch ein Engagement in die Gesellschaft integrieren können. Die Erstattung der den Freiwilligen durch das Engagement entstandenen Kosten (z.B. Fahrtkosten, Telefonkosten) sollte jedoch in jedem Fall selbstverständlich sein, um keine Barrieren entstehen zu lassen.

Grafik19: Einstufung der eigenen finanziellen Situation der freiwillig Engagierten

Anstoß zum Engagement

Wie kommt das Engagement zum Engagementbereiten?

Bei den Wünschen der Engagierten an die Öffentlichkeit war der wichtigste Punkt „mehr Aufklärung über Möglichkeiten sich zu engagieren“. Die Aussagen zu den Zugängen zum Engagement spiegeln dieses Bild: In erster Linie sind es Personen die man – zum Beispiel durch eine gemeinschaftliche Aktivität – schon kennt oder Freunde bzw. Bekannte, die auf ein mögliches Engagement aufmerksam machen. Aber auch die eigenen Erlebnisse, über die man mit Einrichtungen, Vereinen oder Initiativen in Kontakt kommt, können zu einem Engagement führen. In jedem Fall handelt es sich um Anstöße durch Menschen oder Ereignisse, die zum Engagement führen – und diese Tendenz hat sich (mit Ausnahme der Familie) in den letzten zehn Jahren seit 1999 sogar verstärkt. Zwar werden externe Informationskanäle wie Informationsstellen, also zum Beispiel Vermittlungsagenturen oder Anlaufstellen, und auch die Medien, wichtiger, bleiben aber noch weit hinter anderen Wegen der Gewinnung zurück.

Grafik20: Anstoß zum Engagement

Initiative zum Engagement

Werden die freiwillig Engagierten geworben oder suchen sie sich ihr Engagement selbst?

Im Unterschied zum Bundesdurchschnitt zeigt sich eine leichte Tendenz, dass in Bayern mehr Menschen für ein Engagement geworben werden. Grundsätzlich bleibt aber sowohl auf Bundesebene als auch in Bayern die Verteilung zwischen Menschen, die für ein Engagement geworben werden und solchen, die sich ein Engagement in Eigeninitiative suchen, mit leichten Schwankungen mehr oder weniger gleich – und weist einen Überhang der Menschen auf, die geworben werden (Bayern 2009: 60 % vs. 39 %). Da schwer festzustellen ist, wie einzelne Medien auf die Eigeninitiative wirken, muss die Information zu Engagementmöglichkeiten möglichst weit gefächert zur Verfügung gestellt werden. Dass die Information, wo und wie man ein passendes Engagement findet, verfügbar gemacht werden muss, belegen einmal mehr diese Zahlen.

In Bayern stellt das Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Informationen, Beratung, Fortbildung und Unterstützung zu Ehrenamt und Freiwilligenarbeit für eine große Anzahl von interessierten Akteuren bereit. Siehe auch: www.lbe-bayern.de

Grafik21: Initiative zum Engagement

Gewinnung von Freiwilligen in der Stadt und auf dem Land

Initiative zum Engagement nach Siedlungstyp

Vergleicht man die Gewinnung von Freiwilligen in der Stadt und auf dem Land, so zeigen sich große Unterschiede: Je „ländlicher“ die Region ist, umso seltener ergreifen die Menschen selbst die Initiative und suchen sich ein Engagement. Während in den städtischen Kerngebieten 53 % geworben werden und 46 % sich selbst ein Engagement suchen, sind es auf dem Land 70 %, die geworben werden und nur 30 %, die sich ihr Engagement selbst suchten. Da man sich auf dem Dorf kennt, wird im Freundes- und Bekanntenkreis nachgefragt, wenn man Freiwillige im Verein oder für ein Projekt sucht. Gerade dort ist es aber auch wichtig, Menschen, die isoliert leben, durch ein Engagement Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.

Grafik22: Initiative zum Engagement nach Siedlungstyp

Engagierte und gemeinschaftlich Aktive nach Siedlungsgebieten

Engagieren sich die Menschen eher in der Stadt oder auf dem Land?

In Bayern zeigt sich in den ländlichen Gebieten die höchste Engagementquote (2009: 49 %) verglichen mit den städtischen Kerngebieten (2009: 30 %) und den städtischen Randgebieten und Kleinstädten (2009: 38 %). Weiterhin lässt sich der Trend ablesen, dass die Anzahl der Engagierten im ländlichen Raum auch noch weiter ansteigt: von 41 % im Jahr 1999 auf 46 % in 2004 zu dem Stand von 2009 (49 %). Dieser Trend zeigt sich in anderen Siedlungsgebieten weitaus weniger. Dies scheint darauf hinzuweisen, dass das Engagement im ländlichen Raum bei weitem nicht nur von den traditionellen Vereinsstrukturen geprägt ist, sondern sich auch erweitert und erneuert. Darüber hinaus gibt es gerade auch in den strukturschwachen ländlichen Räumen eine besondere Notwendigkeit, durch bürgerschaftliches Engagement und Partizipation Nahversorgung und Infrastruktur zu sichern.

Grafik23: Engagierte und gemeinschaftlich Aktive nach Siedlungsgebieten

Engagierte und gemeinschaftlich Aktive nach Siedlungsgebieten im Vergleich Bayern / Bund

Auch im Vergleich zum Bundesdurchschnitt zeichnet sich Bayern durch eine hohe Engagementquote auf dem Land aus: Während in Deutschland insgesamt 41 % auf dem Land engagiert sind – und damit auch mehr als in städtischen Kerngebieten und städtischen Randgebieten / Kleinstädten – sind es in Bayern 49 %. Der Unterschied zu den anderen Siedlungsgebieten fällt auch stärker aus als auf Bundesebene.

Grafik24: Engagierte und gemeinschaftlich Aktive nach Siedlungsgebieten im Vergleich Bayern / Bund